Mittwoch, Januar 11, 2006

Hamburg - San Diego


Nach 14 Stunden und Zwischenstopps in London und San Francisco bin ich endlich in San Diego angekommen.
In London ist mir zwischenzeitlich mal echt das Herz in die Hose gerutscht, als ein nicht nur indisch aussehender, sondern auch mit unverständlich indisch-englischem Akzent sprechender Sicherheitsbeamte beim Sicherheitscheck von United Airlines einfach mit meinem Pass abgehauen ist. Bei uns ist es ja nun mittlerweile schon soweit, dass man vor der "Wir-sehen-alles"-Detektor-Schleuse immer den Guertel ausziehen muss. "Safety First" verstehe ich ja noch, aber trotzdem habe ich immer ein komisches Gefuehl, wenn sich die doch so modische und unheimlich Flug bequeme Drei-Nummern-zu-gross-Jeans langsam mit der Schwerkraft verbuendet und nach unten rutscht. Aber Amerika setzt da NATÜRLICH noch eins drauf. Die Sicherheitsbestimmungen schreiben vor, dass JEDER auch noch die Schuhe ausziehen muss. Super!
Jetzt stellt euch einfach vor, ich stehe da, die Hose hängt auf halb acht, meine Schuhe sind irgendwo in der Röntgenschleuse (unnötig zu erwähnen, dass der grünliche Webflor-Teppich auch nicht gerade den bakterienfreisten Eindruck macht)und der Typ haut einfach mit meinem Pass ab!!!! Und das alles morgens um neun. Das ist kein Spass, ob gut gefrühstueckt oder nicht. Da will ich einfach nur für einen Moment böse werden und fragen, ob irgend jemand hier mal was vom Recht auf persönliche Freiheit gehört hat. Im "Land of Freedom" dürfte das eigentlich nicht so unbekannt sein. Dank 9/11 ist das aber alles anders. Ich habe dann auch tatsächlich einigermaßen ruhig, soweit mir das in meiner Wut noch möglich war, nachgefragt, was denn nun mit meinem Pass passiert und dass ich es doch etwas seltsam finde, wenn jemand einfach so damit verschwindet. Die Antwort: "Dats foor safffty reasongs ma'm." O.k., das hat mich dann auch nicht wirklich weiter gebracht. Tage später habe ich aber erfahren, dass alleine diese Frage mich auf einem amerikanischen Flughafen in echte Schwierigkeiten gebracht hätte. Naja, nochmal gut gegangen. Und der Typ kam dann auch ungefähr zwei Minuten vorm Einsteigen in den Flieger mit meinem Pass zurück. Weiss gar nicht, warum ich mich so aufgeregt habe!!!
Ach ja, mein Feuerzeug haben sie natürlich in meinem Rucksack gefunden und einkassiert. An alle Raucher unter euch: Vergesst es einfach mit einem Feuerzeug im Handgepäck nach Amerika einreisen zu wollen! Die Idee, flüssigen Sprengstoff in einem Feuerzeug mit an Bord zu schmuggeln, funktioniert definitv NICHT!!

Der Weiterflug von nach San Francisco war dann aber super. Eine Dreierreihe für mich alleine und so habe ich fast sieben der elfeinhalb Flugstunden schlicht und einfach verschlafen. So will ich das haben! Das Child Menue, das sie mir aber serviert haben - aus welchem Grund auch immer - möchte man hingegen so überhaupt gar nicht haben. Eigentlich müsste United Airlines deshalb permanent wegen Kindesmisshandlung verklagt werden. Ich glaube, es sollte Rührei mit Spinat werden, herausgekommen ist aber eine undefinierbare gelbe und klebrige Masse mit einem Häufchen Grün am Rand. Der Keks zum Nachtisch sollte es vielleicht dann wieder rausreissen - Fehlanzeige bei mir!!
Egal, ich bin ausgeruht in San Francisco angekommen und auf dem Flug weiter nach San Diego habe ich dann meine ersten beiden Englisch-Lektionen bekommen.
Lesson 1 (listen and repeat!):
Mein Ziel in San Diego, also der Stadtteil, ist La Jolla. Soweit, so schön. Im Flieger saß eine schon etwas ältere Dame neben mir, wir kommen ins Gespräch und natürlich fragt sie mich, wo ich wohnen werde. Ich sage also "La Dscholla" - was denn wohl sonst? Da hält sie sich doch ganz verlegen die Hand an den Mund und sagt "Sweetheart, it's called La Hoja". Ja entschuldigt mal bitte, wie soll ich denn wissen, dass ein J wie H, und zwei L wie J ausgesprochen werden???? Ich denke wir sind hier in Amerika und nicht in Spanien! Immerhin erzählt sie mir dann auch, dass La Jolla einer der schönsten Stadtteile ist und dass eigentlich jeder dort wohnen möchte. Ich bin beruhigt und: Danke, dass ich meine erste Blamage so schnell hinter mich gebracht habe ... die nächste folgte schneller, als mir lieb war...

Lesson 2 (listen and repeat!):
So plaudern und plaudern wir also und irgendwann frage ich sie, wie weit Tijuana/Mexico denn von San Diego weg ist. Oh je. Als einleitendes Wort der Antwort bekomme ich schon wieder dieses "Sweetheart". Das kann nichts Gutes heißen. Ich lerne also: "Sweetheart, WE in CALIFORNIA don't say how far something is. WE say how much time it takes to get there." Schon klar! Als gäbe es keinen Unterschied, ob man jetzt per Bus, Bahn, Auto oder Fahrrad von La Jolla nach Tijuana fahren möchte. Dass hier eigentlich alles nur mit dem Auto gemacht wird, hätte mir natürlich klar sein müssen! Und so lerne ich: Mit dem Auto dauert es weniger als eine Stunde (wenn gerade mal keine Rush-Hour ist).

Lance, den ich hier besuche, hat mich vom Flughafen abgeholt. Wir hatten uns seit Brasilien im Dezember 2004 nicht mehr gesehen und entsprechend schön war das Wiedersehen. Die Fahrt vom Flughafen nach La Jolla dauert ungefähr eine halbe Stunde. Aber ich verrate natuerlich nicht, wie weit es ist!
Und kurz vor dem Ziel, wie bestellt, halten wir in Windensea an und ich erlebe meinen ersten fantastischen Sonnenuntergang. Ein Bier dabei und die Welt ist in Ordnung!

1 Comments:

Anonymous Schlauchboot said...

Hallo Leute, das Schlauchbootfahren muss doch ne menge Spaß gemacht haben oder nicht? Ich freue mich immer riesig wenn ich Schlauchboot fahren darf. Eure Seite gefällt mir gut und ich freue mich schon auf neue Beiträge von Euch. Gruß

18 Oktober, 2007 00:47  

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